Weniger Taten, höherer Schaden

Baustellen-Diebe klauen, was nicht niet- und nagelfest ist

Hinter einem Bauzaun können sich für Diebe wahre Schätze verbergen. Zwar wird seltener gestohlen, dafür aber mit höherem Schaden für die Bauunternehmen. Mitunter verschwindet auch mal ein Bagger.

Mit Schubkarren geben sich Baustellen-Diebe nicht zufrieden. Oft verschwinden über Nacht große Bagger und Betonmischer.

Düsseldorf (dpa) – Weniger Diebstähle, aber höherer Schaden: Diebe haben auf Baustellen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr für einen Gesamtschaden von rund 9,76 Millionen Euro gesorgt. Das teilte das Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf mit. Im Vorjahr 2017 verursachten Diebe mit knapp über 9,3 Millionen einen etwas geringeren Schaden.

«Gestohlen wird im Prinzip alles, was nicht niet- und nagelfest ist», sagt eine Sprecherin des österreichischen Verkehrswegebauers Strabag. Die Diebe halten dabei Ausschau nach Werkzeugen, Kabeln und allem – von der Rüttelplatte bis zum Radlader.

Schadenssummen werden höher 
In der Statistik zu den Baustellen-Diebstählen fällt jedoch auf, dass – verglichen mit dem Jahr 2017 – zwar der Schaden in 2018 höher war, die Zahl der Fälle allerdings zurückging. 2017 zählte die Polizei noch 5.225 Diebstähle auf Neu- und Rohbauten sowie in Baubuden und auf Baustellen. Ein Jahr später waren es nur noch 4.649 – ein Rückgang um rund 12 Prozent. Erklären lässt sich das mitunter durch den deutlichen Anstieg der Diebstähle mit Schadenssummen zwischen 25.000 und 50.000 Euro sowie Schäden über 50.000 Euro.

Teil des Problems ist, dass Baustellen oft unbeaufsichtigt sind, erklärt ein Sprecher der Polizei Herford. Im Juli des vergangenen Jahres stahlen Unbekannte dort in einem Fall einen Radlader im Wert von rund 25.000 Euro von einem Parkplatz. Solche Baumaschinen vermietet unter anderem »Zeppelin Rental«. Seit Jahren werden immer wieder Baumaschinen der Münchener gestohlen, wie es vom Unternehmen heißt. Tendenz gleichbleibend. Seit drei Jahren berichteten die Kunden des Verleihers außerdem, dass vermehrt Dieselkraftstoff von den Baustellen gestohlen werde.

Baustellen müssen bewacht werden 
Bei den Diebstählen gibt es keine besondere Veränderung, erklärt der Bauindustrieverband NRW. Besonders gefährdet sind laut LKA frei zugängliche Areale wie zum Beispiel Autobahnbaustellen. Das betrifft auch die Baustellen des Verkehrswegebauers Strabag. Zwar kämen nur selten große Baumaschinen weg, dafür aber Generatoren oder Notstromaggregate, erklärt das Unternehmen.

Wer seine Baustelle nicht gleich mit einem ganzen Sicherheitsteam bewachen lassen kann, für den versucht die Firma »Bauwatch«, mit mobilen Überwachungssystemen Abhilfe zu schaffen. Das in Ratingen sitzende Unternehmen setzt dabei auf künstliche Intelligenz, sagt Unternehmenssprecher Scott Denton. Bauwatch überwacht unter anderem mit auf Sockeln befestigten Kameras Baustellen in ganz Deutschland.

Diebe werden aus der Ferne angesprochen 
Betritt jemand das überwachte Gebiet, schlägt die Software Alarm. Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale können die Lage bewerten, und dann entweder versuchen, den Eindringling per Lautsprecher zu verscheuchen, oder die Polizei rufen. Mit jeder Alarmierung und der von Mitarbeitern getroffenen Entscheidung lernt die Software so, die Gefahren zukünftig besser zu bewerten. Rund 1.000 Menschen vertreibt Bauwatch so jeden Monat bundesweit. 50 mutmaßliche Diebe werden mithilfe der Firma monatlich von der Polizei erwischt, erklärte Denton.

Archivfoto: Arno Burgi / dpa

20.08.19 wel