Der lange Atem der Gerechtigkeit

Mordfall aus der DDR nach Jahrzehnten geklärt

Ein Mordfall zur Zeit der DDR – im vereinten Deutschland landet er Jahrzehnte später vor Gericht. Und er wirft eine grundlegende juristische Frage auf: Soll nach DDR‑Recht oder nach dem geltenden Strafrecht der BRD geurteilt werden?

Am 10. April 1987 findet ein Armeeangehöriger in der DDR die Leiche einer jungen Frau in einem kleinen Waldgebiet bei Plauen. Die Volkspolizei sucht nach verdächtigen Männern, die nach dem Mord in der Nähe des Tatorts und am Grab des Opfers gesehen wurden. Sie kann den Fall jedoch nicht aufklären. Kurz vor der Wende vernichtet die Stasi wichtige Unterlagen. Das Verbrechen wird zum «Cold Case».

Zehn Jahre nach der Wiedervereinigung kommt Kriminalhauptkommissar Enrico Petzold zur Mordkommission. Er rollt die Ermittlungen zur getöteten 18-jährigen Ines Bausch (Name geändert) wieder auf. Rund 200 Ordner legt er an. Er befragt 5.500 Personen. Und er fährt rund 1.200 Mal nach Plauen und Umgebung, um den Täter zu fassen. 30 Jahre nach dem Sexualverbrechen zahlt sich die Hartnäckigkeit des Sachbearbeiters dann tatsächlich aus.

Jetzt war Kriminalhauptkommissar Enrico Petzold von der Polizeidirektion Zwickau zu Gast im Podcast-Studio bei Rudi Cerne und Conny Neumeyer ist . 16 Jahre lang hat er in diesem Mordfall ermittelt. Dabei hat er nie locker gelassen, wie man in der 106. Folge des XY-Podcasts erfährt..

Außerdem im Interview: Richter Altfrid Luthe und Vorsitzender Richter Torsten Sommer vom Landgericht Zwickau. Sie erklären, wieso der Mord nach DDR-Strafrecht abgeurteilt wurde, obwohl das Land zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr existierte.

Symbolfoto:  Denkfalle / Pixabay

20.05.26  wel