Gauner tarnen sich als Anwalt

Geldforderungen für Gewinnspiel-Abo

Unscheinbarer Umschlag, brisanter Inhalt: In Meißen hat eine täuschend echte Zahlungsaufforderung im Namen einer real existierenden Rechtsanwaltskanzlei für Verunsicherung gesorgt. Der Fall zeigt, wie professionell solche Betrugsversuche wirken – und wie wichtig ein kritischer Umgang damit bleibt. 

Volker Ludwig (Name geändert) erhielt ein Forderungsschreiben, das den Eindruck erweckt, von der Rechtsanwaltskanzlei Kutzner & Kollegen in Ingelheim zu stammen. Darin wurden 3.533,20 Euro im Auftrag einer «Euromaxx Lotterie Vermittlung» verlangt – angeblich wegen eines telefonisch abgeschlossenen Gewinnspiel-Abonnements. Das Schreiben – unterzeichnet von Rechtsanwalt Eric Wolf – war gefälscht, wie die Verbraucherzentrale Sachsen mitteilt. Und Volker Ludwig dürfte nicht der Einzige sein, der einen solchen Brief erhalten hat.

Kein Geld schuldig
Jedenfalls bestreitet er, jemals einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen zu haben oder das Unternehmen zu kennen. Sein Versuch, die Sache telefonisch zu klären, blieb erfolglos. «Herr L. hatte die im Briefkopf angegebene Telefonnummer gewählt; dort meldete sich eine Person unter dem Namen der Kanzlei. Auf seine Bitte hin wurden Unterlagen und Nachweise zur Forderung zugesagt, jedoch nie übermittelt», berichtet Anett Wagner, Beraterin der Verbraucherberatung in Meißen.

Tatsächlich handelt es sich bei dem Schreiben nicht um einen Brief der Kanzlei Kutzner & Kollegen. Vielmehr wurden deren Name sowie der Name des genannten Rechtsanwalts missbräuchlich verwendet, um Seriosität vorzutäuschen und Zahlungsdruck aufzubauen, so die Verbraucherzentrale weiter.

Gauner auf «schnelle Einigung» aus
Das Schreiben wirkte auf den ersten Blick authentisch und enthielt eine detaillierte Forderungsaufstellung. Auffällig ist jedoch der starke Druck, kurzfristig Kontakt aufzunehmen und eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Zudem hat sich herausgestellt, dass die verwendete Telefonnummer gar nicht zur tatsächlich existierenden Kanzlei gehört.

Eine Online-Recherche brachte noch weitere Erkenntnisse: Im offiziellen Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer ist bei der Kanzlei Kutzner & Kollegen tatsächlich ein Rechtsanwalt namens Eric Christian Wolf registriert. «Auf der Homepage der Kanzlei ist dieser jedoch unter dem Namen Eric Wolf zu finden», erklärt Anett Wagner. «Diesen Unterschied machen sich die Betrüger offenbar zunutze. Nur wenige Verbraucher werden wahrscheinlich die Angaben mit dem Anwaltsverzeichnis abgleichen.»

Echte Kanzlei warnt vor Fake-Forderungen 
Die Gauner haben offensichtlich also ihre Informationen über die Kanzlei aus deren Homepage. Auf dieser warnt jetzt die echte Kanzlei Kutzner & Kollegen vor der missbräuchlichen Nutzung ihrer Daten und den im Umlauf befindlichen Fake-Anschreiben in ihrem Namen (s. Foto oben). Nach eigenen Angaben wurde auch Anzeige erstattet. Das auf der Homepage veröffentlichte Anschreiben ist mit der Post identisch, die Volker Ludwig erhalten hat.

Die Verbraucherzentrale Sachsen rät:

  • Ruhe bewahren und nicht vorschnell zahlen oder reagieren!
  • Unbekannte Verträge hinterfragen: Bei Zahlungsaufforderungen ohne bekannte Vertragsgrundlage immer misstrauisch bleiben – besonders bei Lotterien oder Gewinnspielen!
  • Absender prüfen: Adressen, Namen und Firmendaten online oder im Handels-, Anwalts- oder Rechtsdienstleistungsregister gegenchecken!
  • Beratung einholen: Im Zweifel die Verbraucherzentrale kontaktieren, bevor man reagiert!

(Quelle:  VZ Sachsen)

Fotos: 
Startseite:  Rainer Sturm / pixelio.de
Fakebrief: Kanzlei Kutzner (Bildbearbeitung: e110)

23.06.26  wel