Familiendrama in Oberbayern

Polizei findet nach und nach vier Tote in Weilheim

Vier Tote, alle verwandt: Ein Verbrechen erschüttert die Kleinstadt Weilheim in Oberbayern. Unter den Toten ist auch der mutmaßliche Täter. Warum er offenbar seine Verwandten tötete, ist noch rätselhaft.

In einem der Wohnhäuser in Weilheim nahm die Bluttat mit vier Toten ihren Anfang.

Von JACQUELINE MELCHER, CHRISTOPH TROST und ANGELIKA RESENHOEFT  (dpa)
Drei Tatorte, vier Tote und eine drängende Frage: Was treibt einen Mann dazu, im beschaulichen Weilheim südwestlich von München seine Frau, deren Zwillingsschwester und ihren Mann zu töten? Die Ermittler halten sich zunächst bedeckt. Und auch in der Kreisstadt ist das Verbrechen an einem Samstagmorgen meist kein großes Thema.

«Davon habe ich noch nichts gehört. Das wundert mich, weil wir haben viele ältere Kunden, das ist ein sehr familiäres Umfeld, hier wird normalerweise über alles gesprochen. Ich glaube, davon weiß unsere Kundschaft gar nichts», sagt eine Verkäuferin in einem Bio-Lebensmittelgeschäft in der Innenstadt. «Es passiert so viel auf der Welt, was sind da vier Tote?», meint eine Bedienung in einem Café. «Darüber wurde heute nicht gesprochen.»

Polizei: Details für Öffentlichkeit nicht interessant  
Bei den Toten handelt es sich nach dpa-Informationen um zwei Zwillingsschwestern und deren Männer. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei tötete ein 59-Jähriger gestern erst die Frauen – beide 57 – und dann einen 60-Jährigen. Anschließend soll sich der Verdächtige das Leben genommen haben.

Die Ermittler wollen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht verraten, wie das genaue Verhältnis der Toten zueinander war. Sie teilen lediglich mit, sie seien miteinander verwandt gewesen. Wer wo mit wem wohnte und ob die Toten Kinder haben, geben die Polizisten ebenfalls nicht an.

Das Motiv des Täters ist noch nicht bekannt. «Das ist aktuell Gegenstand der kriminalpolizeilichen Untersuchung», sagt Polizeisprecher Alexander Huber. Aber selbst wenn die Polizei irgendwann etwas Handfestes dazu hat, wird die Öffentlichkeit darüber wahrscheinlich kaum mehr erfahren. «Letztlich ist es kommuniziert, dass es sich um eine Beziehungstat handelt», erklärt Huber. Da der mutmaßliche Täter tot sei und keine Gefahr für die Bevölkerung bestanden habe, sei die Frage des Motivs auch eine Frage des Persönlichkeitsschutzes und wird daher wahrscheinlich nicht veröffentlicht.

Zeugin findet erschossenen Schwager  
Die Schwestern starben nach Ermittler-Angaben im Haus des mutmaßlichen Täters an «massiven Verletzungen». «Die Frauen hatten keine Schussverletzungen», sagt Huber. Auch über mögliche Stichverletzungen sei ihm nichts bekannt. Die genaue Todesursache soll eine Obduktion klären. Diese ist für Montag geplant.

Nach dieser Tat soll der Verdächtige seinen Schwager umgebracht haben – rund einen Kilometer vom Fundort der Frauen entfernt. Eine Zeugin hatte den 60-Jährigen leblos im Garten eines Mehrfamilienhauses im Ortszentrum von Weilheim entdeckt und Polizei und Rettungsdienst verständigt. Der entsprechende Notruf ging gestern um 16.50 Uhr ein. Die Reanimation blieb nach Angaben der Polizei erfolglos. Die Leiche weist eine Schussverletzung auf, sagt Huber.

Selbstmord auf einer Parkbank  
Anschließend soll sich der 59-Jährige auf einer Parkbank das Leben genommen haben, in der Nähe des Flusses Ammer, keine drei Kilometer vom Fundort des 60-Jährigen entfernt. Auch seine Leiche hat Huber zufolge eine Schussverletzung. Ein Passant hatte den Toten am Freitag gegen 19.15 Uhr gefunden. 

Weilheim hat etwa 23.000 Einwohner. Die Stadt liegt rund 50 Kilometer südwestlich von München im Landkreis Weilheim-Schongau, von der Landeshauptstadt mit der Bahn gut zu erreichen. Heute Mittag scheint alles wie immer zu sein. Nur an den Tatorten, an denen die drei Opfer starben, steht jeweils ein Polizeiauto. An einem Haus liegen Blumen, jemand hat eine Kerze aufgestellt.

Foto:  Karl-Josef Hildenbrand / dpa   (Bildbearbeitung: e110)

12.11.22 wel
aktualisiert:   17:00  wel