Fußballprofi mit über 100.000 Euro bestochen?

Das behauptet ein ehemaliger Spieler des FC St. Pauli

Hamburg (dapd). Die Geschichte klingt dramatisch: René
Schnitzler habe angegeben, das Geld von einem Wettpaten namens «Paul» bekommen zu haben, aber er habe keines der fraglichen Spiele manipuliert, teilte das Wochenmagazin «Stern» in Hamburg mit. Der 25-Jährige soll seit Jahren spielsüchtig sein. «Seit ich 18 Jahre alt bin, gab es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe», sagte er dem «Stern».

Karriere eines Zockers
Schnitzler spielte zwischen 2007 und 2009 als Stürmer für den FC St. Pauli. In den betreffenden Partien war er nur einmal die vollen 90 Minuten auf dem Platz. In drei Spielen stand er gar nicht in der Mannschaft. Einmal wurde er erst in der 75. Minute eingewechselt. Zuletzt spielte Schnitzler für den FC Wegberg/Beeck in der Fünften Liga in Nordrhein-Westfalen.

Der Wettpate heißt nach «Stern»-Recherchen Paul R., ist Niederländer und mutmaßlich eine zentrale Figur im Bundesliga-Wettskandal. Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft, die dem Magazin vorliegen, zeigen, dass R. mit vielen der im Prozess Beschuldigten engen Kontakt hatte. Die Unterlagen legen nahe, dass R. für zahlreiche mutmaßliche Spielmanipulatoren hohe Wetten in Asien platzierte, die von deutschen Wettanbietern nicht gehalten worden wären. In Deutschland setzte R. laut Schnitzler fünf Mal hohe Beträge auf Niederlagen St. Paulis bei Auswärtsspielen.

Und in Bochum ist Ante dran
Im Prozess um den bislang größten europäischen Fußball-Wettskandal soll am heutigen Mittwoch einer der mutmaßlichen Drahtzieher als Zeuge gehört werden. Vor der 13. Strafkammer des Landgerichts Bochum soll sich Ante S. zu den Wettmanipulationen äußern. Ante S. war bereits im Zusammenhang mit den Wettmanipulationen um den ehemaligen DFB-Schiedsrichter Robert Hoyzer zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

In dem Prozess am Landgericht müssen sich vier Männer wegen banden- und gewerbsmäßigen Betruges verantworten. Den Angeklagten wird vorgeworfen, in wechselnder Beteiligung im Zusammenwirken mit anderen Personen auf Spieler oder Schiedsrichter eingewirkt zu haben, um den Ausgang von mehr als 30 Fußballspielen in Deutschland und Europa zu beeinflussen. Betroffen waren Spiele der zweiten Liga sowie unterklassiger Ligen. Drei der Angeklagten haben die Taten bereits weitgehend eingeräumt.

Bei den Wetten wurden nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft rund zwei Millionen Euro auf die betreffenden Spielpaarungen gesetzt und dabei Gewinne in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro erzielt.

Foto: siepmannH / pixelio.de

05.01.2011.dv