Vorsicht, Fälschungen!

Zoll warnt vor nachgemachten Autoteilen

Der Zoll ist auf der Internationalen Automobilausstellung „IAA Mobility“ in München gleich zweifach vertreten: präventiv wie aktiv. Es geht um gefälschte Autoteile und Fahrzeugzubehör.

München (wel/Zoll) – Mittendrin zwischen Autos und Zukunftsvisionen sitzt ein uniformierter Beamter in einem Messestand der „IAA Mobility“, der die unschönen Randerscheinungen auf dem Automobilmarkt aufzeigt: den florierenden Handel mit unechten, kopierten und gefälschten Autoteilen und Fahrzeugzubehör. In einer Vitrine sind einige sichergestellte Teile zu sehen – vom Fahrradhelm über den Ölfilter bis zum Kühlergrill mit den vier Audi-Ringen. Alles garantiert nicht original, wenn die Exponate auch täuschend echt aussehen.

Wer billig kauft, der kauft oft zweimal, heißt es. Das trifft auf die sogenannte Produktpiraterie besonders zu. Die gefälschten Teile bestehen meist aus minderwertigem Material, schnell und kostengünstig zusammengeschustert und nur bedingt zu gebrauchen. Selbst Kfz-Werkstätten sind schon auf raffinierte Produktpiraten hereingefallen und haben ihren Kunden täuschend echt aussehende Ersatzteile eingebaut. Die meisten ahnungslos, schwarze Schafe ganz bewusst.

Bedohung für die Wirtschaft 
Fälscher nutzen illegal fremde Forschungs- und Produktionsergebnisse, ohne die Kosten und unternehmerische Risiken zu tragen, wie der Zoll hierzu anmerkt. Das sei für den auf Innovationen besonders angewiesenen Wirtschaftstandort Deutschland und den Arbeitsmarkt in Deutschland eine reelle Bedrohung.

Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) schätzt, dass in Deutschland bereits Zehntausende Arbeitsplätze verloren gegangen sind, die OECD spricht von einem weltweiten Markt mit gefälschten Produkten im Wert von mehreren Milliarden US-Dollar jährlich. Schließlich sichern deutsche Unternehmen ihre Wettbewerbsvorteile auf den globalen Märkten über Produktinnovationen und Spitzentechnologie.

Produktpiraten auf der IAA? 
Der Zoll sieht seine Einfuhrkontrollen als wesentlichen Baustein im Kampf gegen diese Form der internationalen Wirtschaftskriminalität. Die Zentralstelle Gewerblicher Rechtsschutz (ZGR) des Zolls, in München beheimatet, ist der bundesweite Ansprechpartner für alle Rechte-Inhaber in Bezug auf Marken, Patente, Geschmacksmuster etc.. Dort kann ein sogenannter Grenzbeschlagnahmeantrag für Deutschland und für die gesamte EU gestellt werden. Alle Informationen der Unternehmen und des Zolls laufen dort zusammen. Deren Auswertung wiederum werden den Zollstellen zur Verfügung gestellt.

Alles gefälscht! In dieser Vitrine liegen täuschend echte Nachbildungen, die der Zoll sichergestellt hat.

Darüber will der Zoll auf der IAA die Messebesucher mit seinem kleinen  Ausstellungsstand informieren. Vielleicht gelingt es ja, den einen oder anderen für das Thema zu sensibilisieren. Darüber hinaus sind die Beamten auf der Automobilausstellung offenbar aber auch aktiv auf der Suche nach Produktfälschungen. Hier und da wurde eine Gruppe von Zollbeamten gesehen, die vermutlich zweifelhaften Ausstellungsstücken auf der Spur war.

In aller Regel wird der Zoll, so der Beamte am Ausstellungsstand, auf Antrag der Rechte-Inhaber bzw. deren Rechtsanwälte tätig. Und das passiert vor allem auf Konsumgütermessen. Denn dort werden ganze Kisten mit Fälschungen – etwa aus China – direkt an interessierte Besucher verkauft.

Fotos:  Dominik Wellnitz / e110

10.09.21 wel